Geht Bequemlichkeit vor Sicherheit?

bergstr1.JPGWie Wiesloch hat auch Mannheim am Projekt "Fußverkehrscheck" des Landes teilgenommen. Laut einer Pressemitteilung in verschiedenen Zeitungen der Region hat die Verwaltung dort das Thema "Verbesserung für Fußgänger durch die Ordnung des ruhenden Verkehrs" herausgegriffen, da es eine effektive und kostengünstige Maßnahme darstellt, die Situation für den Fußverkehr zu verbessern.

"Der Parkraum ist begrenzt, nach einigen "Ehrenrunden" ums Quadrat lässt sich immer noch keine Lücke finden, und so siegt die Bequemlichkeit. Die Karre wird einfach auf oder an den Gehweg gestellt und behindert oftmals Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen ebenso wie Kinder unter acht Jahren, die dort Rad fahren müssen."(1)

Mannheim lässt sich nicht ohne weiteres mit Wiesloch vergleichen: die Attraktivität als Einkaufsstadt dort ist hoch, es gibt viel mehr Fußgängerverkehr – aber auch erheblich mehr motorisierten-, öffentlichen und Fahrradverkehr. Längere Wege sowie hohe Parkgebühren für die Kunden werden zwangsläufig in Kauf genommen. Obwohl über 4000 Parkmöglichkeiten imZentrum zur Verfügung stehen, behindern ungeordnet und verbotswidrig abgestellte Autos aber auch hier zunehmend Passanten, besonders diejenigen, die mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Rollatoren oder mit Kleinkindern unterwegs sind. Halbseitig auf dem Gehweg parkende Fahrzeuge machen die Nutzung des ganzen Gehwegs unmöglich.

Anders als in Wiesloch, wo die Forderung der Einzelhändler nach mehr und billigeren Parkplätzen immer wieder laut wird, steht in Mannheim auch die Werbegemeinschaft hinter den Planungen der Verwaltung.

"Es wird Zeit, Neues auszuprobieren. Leider kann der Kommunale Ordnungsdienst nicht überall sein, um die Vergehen zu ahnden. Dafür ist er nicht ausreichend besetzt. Außerdem scheinen die Strafen den Wiederholungstätern nicht allzu weh zu tun. Deswegen sind die Poller eine von hoffentlich noch mehr Maßnahmen, um zu sehen, wie man der notorischen Falschparker Herr werden kann", so wird der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Mannheim in der Wormser Zeitung zitiert.

In Mannheim werden ein Viertel der Wege zu Fuß zurückgelegt, deshalb spielt der Fußverkehr auch für den Einzelhandel in der Innenstadt eine zentrale Rolle. "Drive-in" wird und soll es in der Innenstadt weder in Mannheim noch in Wiesloch geben.

In Mannheim sollen jetzt an drei neuralgischen Punkten im Innenstadtgebiet Poller das Falschparken unterbinden, nämlich dort, wo sich die Kriterien Einzelhandelsballung, Fußgängerachse und Gehwegbreite von weniger als 1,80 Metern überlagern.

"Dort sollen künftig die Parkmöglichkeiten völlig neu geordnet werden. Und die Bürgersteige stehen wieder vollständig den Fußgängern zur Verfügung. Rund 50 Parkmöglichkeiten im öffentlichen Verkehrsraum müssen dafür geopfert werden."(1)

Die Parkplätze sollen einseitig markiert werden und auf der gegenüberliegenden Straßenseite werden Poller das Parken auf dem Gehweg verhindern.Beim Fußverkehrscheck in Wiesloch ist Gehwegparken vor allem in innenstadtnahen Gebieten beklagt worden. Eine Kennzeichnung der zulässigen Parkflächen (und zwar eindeutig auf der Straße und nicht auf dem Gehweg) im Zuge von Straßenerneuerungsmaßnahmen wäre eine erste, kostengünstige Maßnahme. Weiterhin wurden im 2-Wochen-Rhythmus wechselnde Schwerpunktkontrollen vorgeschlagen. An einigen Stellen (z.B. Schillerstraße, Anfang Gerbersruhstraße) könnten Poller sinnvoll eingesetzt werden.

Der nichtmotorisierte Verkehr ist seit Jahrzehnten zum Stiefkind der Verkehrsplaner geworden. Um Rad- und Fußverkehr wieder gleichberechtigt in der Stadt zu etablieren, sollte ein von der Verwaltung begleiteter Arbeitskreis interessierter Bürgerinnen und Bürger eingerichtet werden. Durch ihn können die Ergebnisse des Fußverkehrschecks und die des bereits bestehenden Rad-Arbeitskreises diskutiert, geprüft und ihre Verwirklichung begleitet werden.

(1) Bericht Wormser-Zeitung 10.01.2018

Der gleiche Text auch in der RNZ vom 9.1.2018 Verfasser Wolf H. Goldschmitt

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Bilder: (e.r.)

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3 Gedanken zu „Geht Bequemlichkeit vor Sicherheit?

  1. F. Bader

    Im Jahr 2017 wurde in Wiesloch der Fußverkehrs Check durchgeführt. Nach allgemeiner Auffassung gehört zu einem Fußverkehrs Check
    – Richtlinien für den Bau von Gehwegen (siehe Richtlinien für den Straßenbau RASt) u.a. Menschengerechte Gehwege, Barrierefreiheit
    – Beachtung und Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften u.a. StVo (Ordnungswesen)
    – Baulicher Zustand, Sicherheit für Fußgänger
    Demnach wäre erforderlich gewesen, dass aus den Fachbereichen der Stadt Wiesloch bei allen Terminen Mitarbeiter aus den Bereichen Planung, Ordnungsamt, Tiefbau anwesend hätte sein müssen.
    Dieser Beitrag gehört zum Bereich – Ordnungsamt –

    Antwort
  2. estroth

    Lieber F. Bader,
    alle die genannten Punkte waren Gegenstand der Begehungen. Allererste Ansprechpartner zur Teilnahme sollen laut Empfehlung des Landes Bürgerinnen und Bürger sein. Darüber hinaus VertreterInnen aus Institutionen, Vereinen, Verbänden, Bürgerinitiativen etc. sowie VertreterInnen der lokalen Politik.
    Immer war bei den Begehungen sowie bei der Auftakt- und Abschlussveranstaltung zumindest der Koordinator aus dem Bereich Stadtentwicklung, Herr Schneider, dabei, meist auch noch ein oder zwei weitere VerwaltungsmitarbeiterInnen oder BM Sauer. Auch Mitglieder des Gemeinderats waren vertreten.
    In der Handreichung des Landes zur Durchführung des Fußverkehrs-Checks heißt es
    „In jedem Fall sind über den Ansprechpartner bzw. Koordinator hinaus, auch weitere relevante Ämter bzw. Fachbereiche und Verwaltungsstellen nach Möglichkeit frühzeitig in den Prozess einzubinden.“ und „Durch die Beteiligung der zuständigen VerwaltungsmitarbeiterInnen können konkrete Sachverhalte erläutert und Lösungsmöglichkeiten diskutiert werden“

    Ich gehe guten Mutes davon aus, dass die Ergebnisse an die einzelnen Bereich der Verwaltung berichtet werden. Als Ausfluss dessen sehe ich z. B. die Wiederherstellung der Bank am Hang in der Hebelstrasse und die Querungshilfe in der Schillerstraße, obwohl verbesserungsbedürftig. Weitere Maßnahmen bedürfen der sorgfälitgen Beratung und Planung. Ich hatte den Eindruck, dass z.B. das Bewusstsein für barrierefreie Gestaltung von Straßen und Übergängen in der Verwaltung durch die Begehungen, an denen zeitweise seh- und geheingeschränkte Personen teilnahmen, gestärkt wurde.
    Ich plädiere für die Einrichtung eines Arbeitskreises, an dem Verwaltungsmitglieder teilnehmen, da viele kritische Punkte und wichtige Entwicklungsmaßnahmen angesprochen wurden, aber eine Abwägung der Interessen aller Verkehrsarten im Dialog mit den Bürgern notwendig ist. Der Fußverkehrs-Check kann dafür nur ein Anfangsimpuls gewesen sein.
    Die Bitte, den Antrag zur Einrichtung eines solchen Arbeitskreises zu stellen, habe ich an eine Gemeinderatsfraktion gestellt.

    Antwort
  3. F. Bader

    Hallo estroth,

    1.) War das eine Bürgerbeteiligung oder eine recht einseitige Sache? Die Bürger haben bei der Begehung sich geäußert. Bei der Abschlussveranstaltung wurden alle Punkte nochmals angesprochen, es war von der Stadtverwaltung keine Person mittels nur einer Äußerung zur Sache beteiligt. Herr Schneider war zwar als Projektleiter anwesend. BM Sauer begrüßte die Anwesenden, soll sich jedoch zum keinem Punkt geäußert haben, soll sich auch nichts notiert haben.
    2.) Das Verfahren wird sehr ausführlich beschrieben auf der Webseite Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, warum wurde nicht entsprechend verfahren? Mehrheitlich soll das eine Einbahnstraße von Bürgern in Richtung Verwaltung gewesen sein. War das eine Bürgerbeteiligung, an was? Eine extreme Minimalbeteiligung, das erspart die Kenntnisnahme der realen Zustände und Antworten der zuständigen Mitarbeiter.
    3) Die „Wiederherstellung der Bank am Hang in der Hebelstrasse “ ist kein Ergebnis von dieser Veranstaltung. Das ist genau aus den Veröffentlichungen von Herrn Weiser nachlesbar. Der hat bereits den desolaten Zustand im Okt. 2016 festgestellt und informiert im WEB, in dieser Angelegenheit wurde keine Gemeinderätin aus der Nachbarschaft aktiv. Taten immer jenen zuschreiben die es tatsächlich gemacht haben.
    4.) Dieser Beitrag behandelt Parken auf Gehwegen in Wiesloch. Ein Verstoß gegen die StVO. Nach meinem Kenntnisstand ein Fall für die zuständige Stelle der Stadtverwaltung Wiesloch – Bußgeldstelle und Gemeindevollzugsdienst. Alle Grundlagen, zuständige Stelle und Personal gibt es schon viele Jahre.
    Für was war wird ein Arbeitskreis für die hier beschriebene Zustände benötigt, – darüber reden?

    Antwort

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